Eigene Träume durch die Kinder ausleben – Gift für die Familie

Mein Kind der Superheld | © panthermedia.net /Yaruta
Mein Kind der Superheld | © panthermedia.net /Yaruta

Wir alle hatten in unserer Jugend doch diesen einen großen Traum. Der eine wollte als berühmter Fußballspieler in der Nationalmannschaft spielen, die andere eine berühmte Tänzerin werden oder mit einer Filmrolle in Hollywood ganz groß rauskommen. Nur für die wenigsten hat sich dieser Traum auch erfüllt, stattdessen ist er anderen gewichen. Wie der Gründung einer Familie mit eigenen Kindern. Während wir die Kleinen aufwachsen sehen, rufen wir uns immer wieder unseren alten Traum in Erinnerung und fragen uns: Auch wenn ich es nicht geschafft habe, kann mein Kind es stattdessen tun? Ab diesem Zeitpunkt werden aus Vätern Trainer, aus Müttern Manager und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Wir wollen für unsere Kinder nur das beste. „Und wenn sie dafür in der Gegenwart ein bisschen härter arbeiten müssen, dann soll das auch so sein.“, so die Meinung vieler Eltern. Das sie damit aber die gesamte Kindheit ihres Nachwuchses ruinieren können, wissen sie nicht.

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Der große Traum

[dropcap]E[/dropcap]s fängt meistens ganz harmlos an: Das Kind möchte in den Fußballverein, möchte anfangen zu tanzen oder ein Instrument erlernen. Schön! Da freuen sich die Eltern natürlich und unterstützen ihren Nachwuchs so gut es geht. Auf Fußballturnieren wird fleißig angefeuert, bei der Theateraufführung mit Tanzeinalge eine kleine Träne des Stolzes verdrückt und das Kind samt Instrument – und mag es noch so sperrig sein – von einer Musikstunde zur nächsten gefahren. Doch wenn ihre Kinder die ersten Erfolge verzeichnen, sehen sich viele Eltern in ihre eigene Jugendzeit zurückversetzt, erinnern sich an den eigenen Traum Fußballer oder Tänzerin zu werden und wittern die Chance, diesen doch noch – wenn auch nur durch ihre Kinder – zu erleben.

Keiner dieser Mütter und Väter will seinem Kind etwas böses, sie steigern sich nur immer weiter in die Siegesvorstellung hinein, sodass sie irgendwann nicht mehr bemerken, dass den Kindern der Spaß schon längst vergangen ist.

Ein bisschen Ansporn schadet nie

Eltern sollen ihre Kinder immer bei ihren Hobbies unterstützen, sie anfeuern und zum üben animieren. Sobald der Spaß und die Freunde des Kindes dabei aber auf der Strecke bleiben, gilt es die Notbremse zu ziehen. Jedes Kind hat mal einen Tag, an dem es lieber mit den Freunden oder am Computer spielen würde, anstatt stundenlang Klavier zu üben. Die Eltern sollten ihr Kind dann ermutigen, es vielleicht an ein bevorstehendes Konzert erinnern, es aber auf keinen Fall zwingen oder unter Druck setzen. Das gleiche gilt für alle sportlichen Hobbies: Wenn es schon fleißig geübt hat, müde ist und – beispielsweise eine Drehung – einfach noch nicht sitzen will, dann muss es nicht weiter üben. Auch wenn das bedeutet, dass es einen anstehenden Wettkampf vielleicht nicht gewinnt. Bei Hobbies sollte es um Spaß gehen und nicht darum, unter keinen Umständen verlieren zu dürfen.

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Die Vergangenheit der Eltern

Meist liegt der Ursprung dieses Ehrgeizes in der Vergangenheit der Eltern. Sie haben selber sehr hart für ihren Traum gekämpft und haben von ihrem Umfeld wahrscheinlich keine große Unterstützung erhalten. Deswegen denken viele, dass es daran gescheitert ist und wollen bei ihren Kindern natürlich nicht den selben Fehler machen. Dafür begehen sie aber einen ähnlich schlimmen. Statt Desinteresse setzen sie die Kinder unter Druck. Sie berichten von ihrer tollen Zeit auf dem Weg zum Profi und bauen dabei bei den Kindern einen großen emotionalen Druck auf. Kein Kind will seine Eltern enttäuschen, also machen sie die ganzen Trainingstortur nur mit um ihre Eltern glücklich zu machen.

Ausnahmen und Negativbeispiele gibt es immer. Die meisten dieser Eltern wollen nur das beste für ihr Kind und würden sofort zulassen, dass das Kind mit dem Training aufhört, wenn es nicht mehr kann. Leider gibt es aber auch Eltern, die ihr Kind (und damit auch sich selbst) um jeden Preis im Rampenlicht stehen sehen wollen. Hier geht es ausschließlich um Ruhm, Aufmerksamkeit und natürlich eine ganze Menge Geld. Eine glückliche Kindheit sieht jedenfalls anders aus.

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Unser Fazit

Ziele erreichen | © panthermedia.net /Markus Nicolini
Ziele erreichen | © panthermedia.net /Markus Nicolini

Die Kindheit sollte unbeschwert und glücklich sein. Sie sollte nicht durch stressige Wettkämpfe und Druck beschattet werden. Die Kinder können oder wollen den Eltern nicht sagen, dass sie deren Traum nicht mehr leben oder etwas anderes machen möchten. Darunter leiden die Kinder und die Beziehung zu den Eltern, die nur noch Manager und Trainer, nicht aber fürsorgliche und liebevolle Beschützer sind, bekommt einen Knacks. So sollte kein Kind aufwachsen müssen.

Eigene Träume durch die Kinder ausleben – Gift für die Familie
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