Fünf Mythen rund um die natürliche Geburt – Welche Ammenmärchen wahr und welche Fake sind

Schwangere Frau im Feld | © panthermedia.net /halfpoint
Schwangere Frau im Feld | © panthermedia.net /halfpoint

Um kaum ein Thema ranken sich auch heute noch so viele Mythen wie um die Schwangerschaft und die natürliche Geburt, während gleichzeitig die Zahlen der Kaiserschnittgeburten immer weiter steigen – ein guter Grund diese einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Allein in Deutschland wurden 2016 30,5% der Babys per Kaiserschnitt geboren und nochmal 7% mithilfe von Geburtszange oder Vakuumextraktion. Gleichzeitig hört man jedoch in vielen Geburtsvorbereitungskursen immer wieder, dass eine vollkommen natürliche Geburt ohne künstliche Einleitung und Schmerzmittel das allerbeste sei.

Die fünf Mythen

Mythos Nr. 1: Einmal Kaiserschnitt – Immer Kaiserschnitt

Frau liegt im Bett | © panthermedia.net /Dmyrto_Z
Frau liegt im Bett | © panthermedia.net /Dmyrto_Z

Das stimmt so verallgemeinert nicht. Natürlich besteht bei einer bestehenden Vernarbung des Uterus ein gewisses Risiko, dass diese unter den Wehenkontraktionen aufreißt – es spielen hier jedoch noch einige andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Qualität des Gewebes der entsprechenden Frau und die Beschaffenheit der Narbe. Daher muss der/die zuständige Gynäkologe/-in im Einzelfall beurteilen, ob eine natürliche Geburt nötig ist. Trotz sorgfältiger Abwägungen kann es dennoch unter den Wehen zu einer Ruptur kommen – dann muss sofort eine Vollnarkose eingeleitet werden, um Mutter und Baby nicht zu gefährden.

Mythos Nr. 2: In Beckenendlage ist keine natürliche Geburt möglich

Falsch – Ein erfahrener Geburtshelfer kann durchaus in der Lage sein, das Baby zu drehen und so eine natürliche Geburt zu ermöglichen – Allerdings muss auch hier individuell abgewogen werden, was möglich ist. In Deutschland entscheiden sich gut 80% der Frauen für einen geplanten Kaiserschnitt, wenn ihr Kind zum Geburtstermin noch in Beckenendlage liegt. Auch wenn man sich unbedingt eine natürliche Geburt wünscht, sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Beckenendlage einen Risikofaktor für Komplikationen darstellt und zumindest dafür sorgen, dass im Ernstfall ein OP in Reichweite ist um einen Kaiserschnitt durchführen zu können. Der Einschätzung und Erfahrung seines Geburtshelfers sollte man dabei ruhig vertrauen, auch wenn die Entscheidung letztendlich bei einem selbst liegt.

Mythos Nr. 3: Sex und Warme Bäder können Wehen auslösen

Person die auf dem Bett liegt | © panthermedia.net /Jochen Schoenfeld
Person die auf dem Bett liegt | © panthermedia.net /Jochen Schoenfeld

Stimmt teilweise. Warme Bäder können keine Wehen auslösen, aber Gewissheit schaffen, ob es echte Wehen sind. Diese verstärken sich nämlich im warmen Badewasser, im Gegensatz zu „Übungswehen“, welche in der Badewanne abklingen. Anders sieht es mit dem Sex aus: Das dabei freigesetzte Hormon Oxytocin wirkt Wehenfördernd und kann somit helfen, wenn man auf künstliche Einleitungsmaßnahmen verzichten möchte. Auch bei der Stimulation der Brustwarzen wird das Hormon freigesetzt.

Mythos Nr. 4: Die erste Geburt dauert länger als die zweite

Wahr. Der Geburtskanal ist bei Erstgebärenden einfach noch nicht vorgedehnt. Selbstverständlich spielt auch die Erfahrung bei Frauen, die bereits eine Geburt hinter sich gebracht haben eine große Rolle.

Mythos Nr. 5: Walking PDA – Normaler Geburtsablauf trotz PDA?

Stimmt. Die Nervenfasern sprechen unterschiedlich stark auf das Anästhetikum an. Bei der richtigen Dosierung werden also nur die schmerzleitenden Fasern geblockt, ohne dass die motorischen Fasern beeinträchtigt werden. Man kann also trotz PDA pressen und umherlaufen wenn einem danach ist.
Auch hier gilt: Vertrauen in die Kompetenz und Erfahrung der Geburtshelfer haben.

Fazit zu den fünf Mythen

Frau mit weißen Kleid | © panthermedia.net /halfpoint
Frau mit weißen Kleid | © panthermedia.net /halfpoint

Nachdem diese Mythen nun aufgedeckt wurden, kann jede werdende Mutter selbst entscheiden ob sie einen Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt vorzieht, mit oder ohne Schmerzmittel, zuhause oder im Krankenhaus. Mit all seinen Vorteilen führt das Internet doch auch dazu, dass Irrglauben und Mythen leicht verbreitet werden und werdende Mütter verunsichern können. Ein ausführliches Gespräch mit der Hebamme oder dem/der Gynäkologe/-in kann häufig auch schon helfen, Unsicherheiten auszuräumen und für sich selbst die Beste Lösung zu finden. Letztendlich geht es bei der Geburt doch darum, dass die werdende Mutter und ihr Baby sich so wohl wie möglich fühlen und alles komplikationslos über die Bühne geht. Die eigenen Wünsche, Präferenzen und Möglichkeiten sollten dabei Vorrang haben vor der Meinung anderer Leute.

Fünf Mythen rund um die natürliche Geburt – Welche Ammenmärchen wahr und welche Fake sind
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